Dr. Robert Feustel

VORSPIEL Donnerstag 4. April 2019 19 Uhr 30 - Eintritt frei

DIE ZEIT DES RAUSCHS

Dr. Robert Feustel

Foto: Jan Hanisch

Was wird nicht alles über den Rausch erzählt. Häufig gilt er als existentielle Erfahrung, deren Geschichte so alt ist wie jene der Menschheit. Es stimmt zwar, dass irgendwie schon immer Drogen konsumiert wurden. Entsprechende Erfahrungen allerdings als Rausch zu deuten, ist eine Erfindung jüngeren Datums. Erst mit der Aufklärung entwickelt sich ein Denken des Rauschs als Gegenspieler der Vernunft, als Abgrund oder höchste Höhe ästhetischer Erfahrung. Es gibt also eine historische Zeit des Rauschs, und gleichzeitig irritiert der moderne Rausch die Zeitwahrnehmung so erheblich wie unterschiedlich: Sie rast oder steht still. Die historisch wandelbaren Erzählungen zum Rausch spiegeln also das jeweilige Denken der Zeit. Und das dieser Tage besonders Crystal Meth in aller Munde ist, sagt einiges über den Stand der spätkapitalistischen Dinge.

Robert Feustel beschäftigt sich mit politischer Theorie, Kultur- und Subjektphilosophie sowie Wissenschaftsgeschichte; ist Politikwissenschaftler von Haus aus, promovierte in Leipzig, lehrt und arbeitet mittlerweile in Jena und Leipzig. Zuletzt erschienen: “Am Anfang war die Information”. Digitalisierung als Religion, Berlin: Verbrecher Verlag 2019

in Zusammenarbeit mit der