Limited Blindness

Donnerstag 4. April 2019 21Uhr30  Großer Saal

Bluten. Ein Abendmahlsritual

LIMITED BLINDNESS (Berlin)​

Drei Weine wollen mit dem Publikum ein Frühlingsritual feiern? Vor uns stehen ein
„heiliger“ Roter, ein snobistisch-intellektueller Weißer und ein alltäglicher „Sauf-Wein“.
Und natürlich vertreten solche Weine ganz andere Vorstellungen von Ritual und Fest.
„Als der Jesus gesagt hat: DAS IST MEIN BLUT, da wollte er nicht den Wein in Blut
verwandeln, sondern sein Blut in Wein, in mich“, erklärt der eine und deutet das
österliche Abendmahl aus seiner Perspektive, um es in vielen Alltagssituationen
wiederzuentdecken. Der zweite Wein beschreibt Jugendrituale in den Vorstädten im
Frühling – der erste Alkohol, bacchantische Lust und Gewalt. Dem dritten geht es eher
um die kurzen Alltagsrituale mit einer Flasche Wein – das Plopp, das eine Gemeinschaft
kurz zum Reden und Trinken zusammenbindet, bis sie wieder zerfällt.
Die drei streiten um ihre Positionen, die Gedanken werden assoziativer, liquider,
zerfließen teilweise. Sie spielen verschiedene Situationen der Gemeinschaftsbildung mit
Wein durch; das Ganze ist lustig und erfährt gleichzeitig immer mehr atmosphärische
Dichte. Unterlegt von Sound aus der Gralsszene des Parzifal, mit Wagner- und
Bachgesang und mittels Videoprojektionen wird der Raum in leise und laute rauschhafte
Atmosphären
getränkt – stets vom Diskurs der drei Protagonisten durchwoben. Am Ende hat keiner
Recht, und doch hat man das Gefühl, einem schwitzenden Gedankenritual, einem
modernen willensstarken Ringen beigewohnt zu haben. Und die Frage steht im Raum:
wie ist eine tiefgreifende Gemeinschaftserfahrung in Zeiten digitaler Individualität
überhaupt noch möglich?
Die von Heiko Michels und Fabian Larsson 2002 in Berlin gegründete Theatergruppe
arbeitet interdisziplinär und site-specific. Die Gruppe kultiviert eine sehr eigene,
performativ-expressive Schauspielästhetik und verbindet diese mit der experimentellen
Erprobung von Wahrnehmungsgewohnheiten und kulturellen
Aufmerksamkeitsmaschinen. Ziel ist es, die kulturellen Schranken auf ihre Lücken zu
untersuchen, alltägliche
Routinen auf ihre Gegenenergie zu testen, Gewalt und Freiheit der kulturellen Praxen,
formierende Kräfte, Leiber und Gesten und Ausbrüche zu zeigen.

 

Besetzung:

Heiko Michels (Regie, Orga, Sound); Pedro Deltell (Video, Licht); Caroline du Bled (Schauspiel); Ina Jaich (Schauspiel); Martin Heesch (Schauspiel); Christian D. Kaltenhäußer (Gesang)

Unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Gastspielförderung Theater, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie den Kultur- und Kunstministerien der Länder.

Nach oben